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Liebes Tagebuch,

 

ich traute meinen Augen nicht, als eine Meldung auf meinen Schriebtisch flatterte. „Überreste einer Vampirfrau bei Venedig entdeckt“. Von ihr berichtete ich dir gestern.

 

Die Schlagzeile traf mitten in mein kurzes Leben.

 

Alle meine Leben weilten kurz. Fünf vielleicht zehn Jahre in denen ich die Identität einer kürzlich verstorbenen Person annahm, deren Tod unentdeckt geblieben war. Ich besetzte den Körper, bezog ihn wie eine Wohnung und begann unter ihrem Namen in der Fremde ein neues Leben.  Der Alterungsprozess setzt aus wenn ich mir einen Körper wähle, das tut er immer. Allerdings zerfällt die menschliche Hülle von innen heraus. Sie halten meiner Gegenwart nicht stand. Meine Seele ist zu mächtig.

 

Vielen brachte ich den Tod, saugte sie aus und warf sie weg sobald sie ihren Nutzen für mich verloren. So hielt ich es vom Anbeginn der Zeit. Körper für Körper – Leben für Leben.

 

Einige meiner Leben hatte ich im Rausch der Barbarei genossen, einige im Kampf für das Überleben meiner Kinder erduldet. Andere focht ich als Widersacher gegen das vermeintlich Gute und wieder andere als Verfechter des Erstgeborenenrechts.

 

Als einer der Ersten, wurden mir Blutdurst annektiert. Ich bin ein Primär auf der Suche nach Leben. Ein Pendler zwischen Körpern - ein geborener Vampir.

 

Im Jahr 2002 kehrte ich nach Europa zurück. In der deutschen Rhein Main Metropole eignete ich mir den Körper eines jungen Mannes an. Ein unbedeutender Mitarbeiter einer Nachrichtenagentur, der sich auf mein Geheiß nach Frankfurt hatte versetzen lassen und seine Vergangenheit aufgab. Er war in keiner schlechten Konstitution. Sieben Jahre waren eine lange Zeit für einen Körper. Allerdings näherte sich sein Verfallsdatum rapide seiner Ablauffrist. Er hieß Ralph, ich bin Amant.

 

Im Zeitalter der Bürokratie, indem jede Geburt und jeder Todesfall protokolliert wird, gestaltet sich der Umzug in einen neuen Wirt problematisch. Das bewahren der Körper ist schwer geworden, es sei denn ich zöge es vor mich in einem Land der dritten Welt anzusiedeln.

Doch habe ich mich an die moderne Technik gewöhnt und ziehe die Annehmlichkeit der Zivilisation einer  Lehmhütte vor.

 

Deshalb bin ich hier

und ich frage mich, werde ich sie finden?

19.2.10 06:40


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Schönste der Welt

 

Liebes Tagebuch,

Über guten Geschmack, lässt sich nicht streite

Ein leichtes schmunzeln lag auf meinen Wangen als mir heute der Bericht über die schönsten Städte der Welt in die Hände fiel. Kapstadt, Sydney, Florenz … Venedig

 

Wie gerne erinnere ich mich an das Venedig des frühen fünfzehnten Jahrhunderts, wenngleich es den unangenehmen Beigeschmack der Pest mit sich brachte.

In seinem Glanze unübertroffen die die einstige Republik der Dogendynastie.

Romantische Gefühle kommen auf, im liebreizenden Gedanken an Giovanna, deren sterbliche Überreste man im vergangenen Frühjahr fand. Gepfählt in Mund und Rachen – mit einem Steinpfahl – wie unprofessionell.

Ha, das ich nicht lache. Sie ein Vampir, niemals hätte sie dem Handel zugestimmt!

Der Gedanke an sie begleitet mich seit ich von ihrem Fund erfuhr ...

Jahrhunderte lag meine Welt in Scherben. Fünfhundertfünfundfünfzig Jahre unabwendbare Einsamkeit. Wartend, auf die Eine die mich mit Leben nährt.

Die Nacht ist einsam ohne sie. Nie war mein Bett so leer, nie so kalt. Wie kann ich vermissen was ich nicht entbehrte. Das Verlangen nach ihr schnürt diesen Körpern das Leben ab.
Suchende Hände wollen nicht schweigen. Schmachtend nach Nähe, verharrend in bebender Hast.
Einsamkeit weilt laut in allen Ecken.
Der Mond schaut ihr bei diesem Treiben zu.

Ich war den Schattenwesen zugeneigt, bis zu jenem Moment in dem ich der Tochter von Pasquale Malipiero, dem sechsundsechzigsten Doge von Venedig begegnete. Ich erinnere mich an jeden Tag, an jede Stunde, an die von meinem Wirt geraubte Zeit, im Venedig des Jahres 1454

In jenen Tagen veränderte sich meine Welt.

Ich hoffe nicht ihr eines Tages in Venedig zu begegnen, ich weiß, dass ihre wiedergeborene Seele an den Ort ihrer Vergangenheit zurückkehrt und diesmal werde ich sie finden.


Hoffnungsvoll

B.

18.2.10 04:16


Alles Käse außer Boris

Liebes Tagebuch,

Heute erreichte mich die Nachricht vom tödlichen Käse

Wie gut das wir Vampire keinen Käse essen, sähe ich mich doch stark in meiner Unsterblichkeit eingeschränkt wenn Listerien den Weg in meinen Blutkreislauf fänden. Allerdings frage ich mich ob Listerien den Qualitätsstandart meiner Mahlzeiten herabsetzen.

Sollte vielleicht meine Ernährungsgewohnheiten überdenken.

„Anmerkung an mich: Käsköppe sind ab sofort tabu“

Umso erfreulicher stimm es mich zu lesen, dass eine deutsche Biathletin den über lange Zeit Weltranglistenersten in seine Schranken wies. Gut so Lady.

An dieser Stelle einen mentalen Gruß an meinen treuen Freund Boris.

Wenn ich zurückdenke, fällt mir ein besonderer Abend ein. Es war im Jahre 1839 als wir in einer kleinen Gruppe von Vampiren mit dem Marquis de Custine unseren Spaß hatten.

Wie hat er die arme Fürstin bedauert und wie erschreckend mag für ihn die Gewissheit gewesen sein dass ein Vampir nur selten Gnade kennt. Dabei galt doch die Härte nur ihren Hochmut zu betrafen. Der Fall war sozusagen die sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Unser kleiner Prophet, wie voll er die Hosen hatte, nachdem er bemerkte mit wem er es aufnahm… und wie unangenehm er danach roch, das musste einem doch den Appetit verschlagen, welch trefflich Sicherheit für ihn.

Nun solche Dinge wären heut undenkbar, doch bei aller Liebe zu den alten Zeiten, Boris sollte ich bei nächster Gelegenheit einmal anrufen.

B.  

17.2.10 01:31


Der erste Eintrag

Liebes Tagebuch,

 

Es gibt uns wirklich!

Menschen sehen uns und sehen uns nicht.

Manchmal frage ich mich, wie viel ich aus einem Volk heraussaugen kann ohne sie aus ihrem Lämmerschlaf zu erwecken. Tarnung ist alles und so schleiche ich wie der Wolf im Schaafspelz durch die Herde

Wenn ich es geschickt anstelle, merkt keiner was

 

Vampire sind real.

Real wie die Luft die sie atmen

Real wie die Sonne, die jeden Morgen am Horizont den neuen Tag begrüßt und in deren Schein sie so sorglos wandeln.

Der warme Glanz verlockt, ruft sie in den Übermut und macht ihre Seelen leicht. Welch ein Fest, sie im falschen Glanz zur Ader zu lassen. Versprich ihnen das Heil der Welt und sie geben mehr als man erwartet.

 

Wie gut dass sie vergaßen, wie es sich anfühlt wenn sie mit ihren Herzen sehen.

Verlorene Talente, welch bedauernswerte Geschöpfe.

 

Doch ich will nicht beklagen gerade heute mundete mir ein Fest der Sinne im Überfluss.

Schelmisch grinsend

 

B.

16.2.10 01:56





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